Eine fehlende Energieversorgung und Armut stehen in einem engen Zusammenhang. Dies haben wir im ersten Teil beschrieben. Dort, wo Energie nicht oder nur unzureichend verfügbar ist, müssen Menschen mit der eigenen Muskelkraft oder der von Nutztieren auskommen. Die Chancen, der Armut zu entkommen, stehen schlecht. Doch das könnte sich bald ändern. Denn gerade in der Umsetzung einer dezentralen und ökologischen Versorgungsstruktur sind Länder im Vorteil, die bisher keine flächendeckende Stromversorgung sicherstellen konnten. Hinzu kommen die weiterhin stark sinkenden Preise für erneuerbare Energien.

Die Preise für Solarstrom fallen

Bis 2012 waren die meisten Prognosen davon überzeugt, dass die Stromgestehungskosten von Solarstrom in der Zukunft bei über 20 Cent pro Kilowattstunde bleiben würden. Entgegen dieser Voraussagen sind die Produktionskosten seither allerdings deutlich gefallen. Mittlerweile gehen Experten wie das Frauenhofer Institut für solare Energiesysteme (ISE) davon aus, dass Solarenergie in Zukunft in vielen Regionen der Welt die günstigste Form der Elektrizität sein wird. Im Forschungsradar sind mehrere Studien zusammengeführt, nach denen die Stromgestehungskosten bis 2030 auf 6 bis 14 ct/kWh sinken werden.

Sauberer Strom ist in Zukunft also sehr günstig zu haben, was insbesondere für sonnenintensive Regionen wie Afrika südlich der Sahara große Chancen bietet. Allein hier leben 620 Millionen Menschen ohne zuverlässige Energieversorgung – fast die Hälfte aller Menschen weltweit, die keinen Zugang zu Energie haben.

Für eine Energieversorgung fehlte es bisher an Infrastruktur

Dass die Stromgestehungskosten in den nächsten Jahren weiter sinken werden, scheint das Elektrizitätsproblem auf den ersten Blick leicht zu beheben. Doch neben den Anlagen zur Stromproduktion muss auch für die Verteilung eine stabile Infrastruktur aufgebaut werden. In vielen Regionen, in denen es zwar Elektrizität gibt, ist sie bis heute jedoch nur unzuverlässig verfügbar. Schätzungen aus 2012 sehen die Gesamtkosten für Back-up-Generatoren zur Sicherung der Stromversorgung bei 5 Milliarden US-Dollar jährlich. Nicht nur ist das Risiko einer Versorgungslücke also groß, auch die Kosten sind enorm. Beheben ließe sich dies nur durch den Ausbau der gesamten Netzinfrastruktur nach dem Vorbild der Industrieländer. Hier ist die Versorgungsstruktur allerdings über Jahrzehnte mit den Anforderungen an das Netz gewachsen. In vielen Ländern ohne zuverlässige Energieversorgung ist nicht hauptsächlich das fehlende Geld der Grund, dass kein flächendeckendes und zuverlässiges Stromnetz errichtet wurde, sondern Misswirtschaft. Millionen Menschen sind hier bei der Energieversorgung auf sich allein gestellt, weil ihre Regierungen die notwendigen Maßnahmen nie ergriffen haben. Gerade auf dem Land ist kein Verlass auf die staatliche Strukturen, weil diese etwa in immer wieder aufflammenden Kriegen verharren. Hier können erneuerbare Energien das Mittel der Wahl zur Selbsthilfe sein.

Off-Grid-Lösungen funktionieren auch an abgelegenen Orten

Doch selbst wenn das Netz in den Städten der Dritten Welt ausgebaut und verbessert würde, blieben abgeschiedene Dörfer in den weiterhin ohne Verbindung zum Stromnetz. Für solche Siedlungen bieten sich Off-Grid-Lösungen an. Was in unseren Breitengraden als Unabhängigkeit vom Stromversorger gefeiert wird, kann für abgeschiedene Dörfer ein Weg zur Elektrifizierung sein. Im Vergleich zu den hohen Kosten für den Bau von Trassen sind kleine unabhängige Stromnetze die kostengünstigere Alternative. Außerdem sind sie schneller installiert als komplexe Kraftwerke und der dazugehörige Netzausbau. Die Installation eines Mininetzes dauert Schätzungen zufolge ca. 1 Jahr, Lösungen für einen Haushalt sind in etwa 4-5 Wochen betriebsbereit.

Offene Potentiale

Erneuerbare Energien bieten also ein großes Potential zur Reduzierung der (Energie-)Armut in der Welt. Die Produktion wird billiger, gleichzeitig wird die Umwelt durch sie nicht verschmutzt und Mini-Grids können abgelegenen Siedlungen die Elektrifizierung ermöglichen. Zumindest kleine Lösungen, die die grundlegenden Bedürfnisse an Energie zum Kochen, Heizen und für kleine elektronische Anwendungen, ermöglichen, können auch ohne große Investitionen im industriellen Maßstab durchgeführt werden.