Je höher der Eigenverbrauch von Solarstrom, desto größer die Unabhängigkeit. Und das ist in Zeiten einer sinkenden Einspeisevergütung schließlich das wichtigste Ziel. Alles dreht sich um die Frage, wie man seinen Autarkiegrad erhöht, ohne dabei auf Komfort verzichten zu müssen. Ständig ist dabei die Rede von der Eigenverbrauchsquote und dem Autarkiegrad. Aber was ist das eigentlich und worin liegt der Unterschied zwischen beidem?

Eigenverbrauch ist nicht gleich Autarkie

Die Begriffe Eigenverbrauch und Autarkie werden oft synonym gebraucht, beschreiben aber nicht das Gleiche. Tatsächlich gibt es nicht einmal zwingend einen Zusammenhang zwischen beidem. So kann der Eigenverbrauch steigen, ohne dass sich der Autarkiegrad erhöht. Dies liegt daran, dass beide Werte relativ zu einer unterschiedlichen Basis berechnet werden:

  • Die Eigenverbrauchsquote ist der Anteil des selbst genutzten Stroms am produzierten Strom
  • Der Autarkiegrad ist der Anteil des selbst genutzten Stroms am gesamten Stromverbrauch

Folgend einige Beispiele, die die Zusammenhänge und Unterschiede zwischen Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad illustrieren:

Fall 1)

 

 

 

In unserem Haushalt verbrauchen wir 4.000 kWh Strom im Jahr. Unsere Solaranlage produziert jährlich 3.000 kWh, allerdings beträgt der Eigenverbrauch nur 1.000 kWh – etwa weil wir keinen Solarspeicher betreiben und zu den sonnenintensiven Stunden nicht daheim sind, um die Energie selbst zu verbrauchen. Unsere Eigenverbrauchsquote beträgt somit 33%. Der Autarkiegrad beträgt hingegen 25%. Er bemisst sich anhand des Gesamtstromverbrauchs in unserem Haushalt. Einen Autarkiegrad von 100% erreichen wir also nur, wenn wir wirklich unseren gesamten Bedarf mit selbst produziertem Solarstrom decken.

Fall 2)

 

 

 

Nun passiert folgendes: Einige unserer Solarmodule fallen aus und brauchen eine Wartung. Unsere Produktion beträgt deshalb nur noch 2.000 kWh im Jahr. Weil wir einige Tipps zur Erhöhung des Eigenverbrauchs beachten, können wir unseren Eigenverbrauch konstant auf 1.000 kWh jährlich halten. Nun ist unsere Eigenverbrauchsquote deutlich höher. Sie beträgt nun 50%, weil wir die Hälfte der produzierten Energie selbst verbrauchen. Dennoch decken wir unseren Gesamtstromverbrauch von 4.000 kWh jährlich weiterhin nur zu 25%, denn hieran hat sich nichts geändert. Die Eigenverbrauchsquote steigt also, ohne dass wir dabei autarker werden.

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Fall 3)

 

 

 

Stellen wir uns jetzt wiederum vor, wir kaufen einen guten Solarspeicher. Hiermit lässt sich der Eigenverbrauch in der Regel ordentlich erhöhen. Wir nutzen nun jedes Jahr 2.000 kWh unseres produzierten Stroms selbst. Unser Gesamtverbrauch hat sich dadurch allerdings nicht verändert. Noch immer brauchen wir für unseren gewohnten Komfort 4.000 kWh Strom jährlich. In diesem Fall erhöht sich beides: Eigenverbrauchsquote UND Autarkiegrad auf 67% bzw. 50%.

Fall 4)

Unterschied zwischen Eigenverbrauch und Autarkiegrad

 

 

 

Was aber, wenn wir Strom sparen, obwohl wir selbst günstigen PV-Strom produzieren? Angenommen, unser Gesamtverbrauch im Jahr sinkt auf 3.000 kWh. Weiterhin produzieren wir jährlich 3.000 kWh Solarenergie, von der wir 1.000 kWh im Jahr selbst verbrauchen. Dann – und nur dann – können wir unseren Autarkiegrad steigern, ohne Maßnahmen zur Erhöhung unseres Eigenverbrauchs vorzunehmen.

Was heißt das für uns?

Möchten wir uns autarker machen, haben wir nur zwei Möglichkeiten:

1. Wir investieren in Möglichkeiten, unseren Eigenverbrauch zu erhöhen. Dies ist entweder kostspielig, weil wir dazu zusätzliche Hardware wie eine Batterie oder einen Heizstab brauchen, oder verlangt eine genaue Planung des Tagesablaufs.

2. Wir senken unseren Gesamtstromverbrauch, indem wir Strom sparen.

Die entscheidende Frage bei allen Überlegungen zum Eigenverbrauch und zur Autarkie ist, welches Ziel wir mit einer Solaranlage verfolgen. Bei den meisten Solaranlagenbesitzern, die ihre Anlage vor 2012 installiert haben, ist eine niedrige Eigenverbrauchsquote leicht zu verkraften. Schließlich reicht die Einspeisevergütung aus, um auch die Kosten für zusätzlich eingekauften Strom zu decken. Konkret: Mit jeder eingespeisten Kilowattstunde verdienen wir Geld. Haben wir unsere Anlage hingegen erst nach 2012 installiert, ist der Eigenverbrauch entscheidend. Hier geht es darum, möglichst wenig Strom vom Netz einzukaufen. In diesem Fall machen Lösungen wie ein Solarspeicher oder ein Heizstab zur Warmwasserbereitung mit Solarstrom Sinn. Wie sieht es aber mit dem Autarkiegrad aus? Da dieser stets vom Gesamtstromverbrauch abhängig ist, bedeutet eine höhere Autarkie immer auch geringere Kosten – zumindest solange, bis die Eigenverbrauchsquote die 100% erreicht und wir noch zusätzlichen Strom einkaufen müssen.