Der Begriff Mieterstrom ist zurzeit in aller Munde. Mit dem jüngst beschlossenen Gesetz werden klarere Strukturen geschaffen und viele sehen in Mieterstrommodellen ein großes Potential. Besonders interessant ist Mieterstrom, weil Mieter nun auch eingebunden werden in die Energiewende für alle. Schließlich lebt ein Großteil der Deutschen nicht im Eigenheim, sondern in einer Mietwohnung. Das aktuelle Mieterstrom-Potential umfasst rund 3,8 Mio. Wohnungen in Deutschland, so eine vom Bundensumweltministerium in Auftrag gegebene Analyse.

Mieterstrom – woher kommt der Begriff?

Hinter Mieterstrom versteckt sich erst einmal ein ganz simples Konzept: Der von PV- oder KWK-Anlagen produzierte Strom wird direkt von Endverbrauchern genutzt und nicht in das öffentliche Versorgungsnetz eingespeist. Im Fall von Mieterstrom – oder auch Quatierstrom genannt – wird der erzeugte Solarstrom direkt an die Mieter im Haus verkauft. Eine auf einer Gesetzesgrundlage beruhende Definition von Mieterstrom gab es lange Zeit nicht. Dennoch werden Mieterstrommodelle durch Verordnungen innerhalb des EEG und KWKG modelliert.

Bereits seit mehreren Jahren sind die ersten Pioniere des Mieterstroms tätig, während das Gesetz erst in diesem Jahr verabschiedet wurde. Diese Vorreiter haben sich die Energiewende für alle einfach selbst ermöglicht. Erste Initiativen sind in den verschiedensten Formen bereits seit etwa 30 Jahren tätig. Mieterstrom kann sowohl von einzelnen Mehrfamilienhausbesitzern als auch durch Genossenschaften oder Wohnungsbaugesellschaften betrieben werden.

Aktuelle gesetzliche Grundlage

Nachdem es viele Jahre nur Regelungen und Verordnungen innerhalb anderer Gesetze gab, an die sich Mieterstrommodelle halten mussten, wurde in diesem Jahr nun das Mieterstromgesetz beschlossen. Im Juni 2017 passierte das Gesetz den Bundesrat und Bundestag und trat am 25.07.2017 mit der Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft.

Die Bundesregierung entschied sich für eine direkte Förderung von Mieterstrom. Wichtig bleibt hierbei, dass der Vermieter eine EEG-Vergütung auf den produzierten Strom abzüglich eines einheitlichen Abschlags von 8,5 ct/kWh erhält. Der strombeziehende Mieter muss allerdings die normale EEG-Umlage auf seinen Strom zahlen. Dieser dürfte in der Regel deutlich günstiger sein, da für Mieterstrom Netzentgelte, netzseitige Umlagen, Stromsteuer und Konzessionsabgabe entfallen. So bekommt der Vermieter zusätzlich zu der Vergütung noch den Verkaufspreis von seinen Mietern und der Mieter erhält relativ günstigen Strom, da viele Abgaben entfallen.

Zusammensetzung Strompreis Mieterstrom - Energiewende für alle

Im Vergleich zu der Zusammensetzung des herkömmlichen Haushaltsstrom, besteht der Preis des Mieterstroms aus vornehmlich vier Komponenten. Energiebeschaffung, Vertrieb, sonstige Kosten und Marge machen dabei den größten Anteil aus.

Mieterstrom – Energiewende für alle?

Mit der Verabschiedung des Mieterstromgesetzes ist nun endlich ein gesetzlicher Rahmen geschaffen worden, der verbindliche Regelungen bietet. Dies ist nun die Chance für Menschen ohne Eigenheim, an der Energiewende teilzunehmen. Nicht zuletzt auch, weil die kritischen Stimmen immer lauter wurden, dass Eigenheimbesitzer die Vorteile der Energiewende kassieren und Mieter mit ihrer Stromrechnung und der EEG-Umlage dafür bezahlen.

Mit Strom direkt von ihrem Vermieter können viele nun endlich auch von günstigen Konditionen profitieren und sich besser mit der Energiewende identifizieren. Für die Bewohner von rund 3,8 Mio Wohnungen, die Mieterstrom erhalten könnten, sind dies gute Nachrichten. Dennoch müssen deren Vermieter insbesondere einen wirtschaftlichen Nutzen in der Investition in Mieterstrom sehen.

Probleme und Hürden

Das Gesetz und die Motivation dahinter sind ein guter Weg in die richtige Richtung. Die Energiewende für alle ist also auf einem guten Weg, allerdings gibt es noch immer einige Hemmnisse für Vermieter:

  1. Gewerbesteuer bei Wohnungsunternehmen

Für Großvermieter besteht eine gesetzliche Befreiung der Gewerbesteuer für die Verwaltung und Nutzung eigenen Grundeigentums. Mit der Lieferung von Mieterstrom riskieren sie nach derzeitiger Rechtslage allerdings, diese Gewerbesteuerbefreiung zu verlieren. Momentan besteht die einzige Möglichkeit in der Gründung einer Tochtergesellschaft, die dann als Stromlieferant fungiert. So würde zwar die Befreiung bestehen bleiben, allerdings führt dies zu einem hohen bürokratischen Aufwand.

  1. Zahlung der vollen EEG-Umlage auf PV-Strom

Wie bereits oben erwähnt, muss auf jede Kilowattstunde produzierten Mieterstrom die volle EEG-Umlage gezahlt werden. Oft ist es für Betreiber von Solaranlagen dadurch wirtschaftlich sinnvoller, ihren Strom ins öffentliche Netz einzuspeisen.

  1. Administrativer Aufwand

Der administrative Aufwand, welcher für den Vermieter entsteht, liegt insbesondere in der Messung und Abgrenzung der gelieferten und produzierten Strommengen. Neben diesen Problemen fallen beim Anlagenbetreiber zusätzlich Kommunikations- und Vertriebskosten an, da seine Mieter das Recht auf die freie Wahl des Stromanbieters haben. Niemand muss den Strom seines Vermieters beziehen und kann auch wie bei jedem anderen Stromvertrag kündigen und zu einem anderen Stromlieferanten wechseln. Als Vermieter muss ich meinen Mietern den Strom auch attraktiv verkaufen.

  1. Zusammenzählung von Anlagen und die 100 kW Peak Grenze

Gehören mehrere Solaranlagen auf mehreren Häusern nebeneinander einem Unternehmen oder einer Genossenschaft, wird ihre kW Peak-Leistung zusammengerechnet. Kommt man dabei über die 100 kW Peak Grenze, darf der Strom nicht mehr einfach ins allgemeine Stromnetz für eine feste Vergütung eingespeist werden, sondern muss an der Strombörse direkt vermarktet werden. Dies führt zu einem erhöhten Mehraufwand und macht Mieterstrom unattraktiver.

Ein Anfang für die regionale Energiezukunft

Mit dem Mieterstromgesetz ist ein erstes Tor geöffnet worden für all diejenigen, die bis jetzt nicht an der Energiewende teilnehmen konnten. Doch bei einem Maximalpotential von aktuell 3,8 Mio Wohnungen in Deutschland, ist ein Großteil der Menschen noch immer ausgeschlossen. Insgesamt 21 Mio Wohnungen werden in Deutschland für Mietzwecke genutzt (Stand: Zensus 2011).

„Wie bei jeder Privilegierung einer Gruppe von Letztverbrauchern, müssen die nicht privilegierten Stromverbraucher die Mehrkosten tragen.“ – BMWi Eckpunktepapier

Für die Vergünstigungen durch Einspeisevergütung und Mieterstrommodelle müssen also besonders die übrigen rund 17 Mio Haushalte zahlen. Mieterstrom ist ein Anfang, aber noch keine Energiewende für alle.