Jeder kennt sie aus der Werbung oder nutzt sie selbst – Preisvergleichsportale boomen seit Jahren und versprechen dem Kunden den günstigsten Preis. Mittlerweile lässt sich von Strom, DSL, Handyverträgen, Flügen und ganzen Reisen alles online vergleichen. Der Markt um Neukunden unter den Stromanbietern ist hart umkämpft. Vergleichsportale werben mit Neukundenboni und extra günstigen Tarifen. Aber ob die Portale halten was sie versprechen – nämlich die Empfehlung des günstigsten Angebots?

Wie funktioniert ein Vergleichsportal?

Erst einmal ist ein Vergleichsportal nichts anderes als ein Vermittler zwischen dem Endkunden und dem eigentlichen Anbieter der Leistung bzw. des Produktes. Als Plattform bietet es für beide Kundengruppen einen Mehrwert – ansonsten würden für beide keine Anreize zum Besuch bzw. zur Listung auf der Seite entstehen. Eine Seite ist nur dann attraktiv für beide Kundengruppen, wenn genug Kunden die Seite besuchen, einen günstigen Preis finden und anschließend auch kaufen.

Die laufenden Kosten eines Vergleichsportals beziehen sich vor allem auf den Betrieb der Internetseite und der Generierung von Besuchern auf die Seite. Vergleichsportale schalten Anzeigen bei Google, sozialen Netzwerken und im Fernsehen, um den Endkunden auf ihren Service aufmerksam zu machen. Oft verkaufen sie sich dabei als transparenten Berater. Ihre Kosten decken sie allerdings mit Vermittlungsprovisionen, die sie von dem Anbieter der jeweiligen Leistung erhalten.

Vergleichsportal

Die Vermittlungsprovision

Die Vermittlungsprovisionen sind für den Endkunden nicht transparent erkennbar. Der Betreiber der Seite erhält sie entweder auf Basis von Affiliate Programmen oder durch Einzelvereinbarungen zwischen dem Anbieter und dem Portal. Vergleiche haben in der Vergangenheit bereits gezeigt, dass es beispielsweise zwischen den verschiedenen Portalen unterschiedliche beste Angebote gibt.

Je nachdem wie der Vertrag zwischen Vergleichsportal und Anbieter aussieht, kann das jeweilige Portal einen günstigeren Preis anzeigen als andere. Manchmal gibt es sogar spezielle Tarife, die es nur über das eine Vergleichsportal gibt, nicht aber beim Anbieter selbst oder auf einem anderen Portal.

Mit Vergleichsportalen schnell wechseln?

Eigentlich scheint ein Stromanbieterwechsel oder der Preisvergleich für einen Flug einfach und schnell zu sein. Allerdings gibt es eine Vielzahl von Einstellungen durch die man sich klicken muss. Insbesondere bei Energieversorgern ist auch die Seriosität des Anbieters wichtig. Schließlich möchte man nicht zurück in den Grundtarif fallen. Damit hat man schließlich nichts gespart.

Es bietet sich also an mehrere Vergleichsportale mit den gleichen Einstellungen zu befragen und die besten Ergebnisse anschließend mit dem Angebot des Anbieters selbst zu vergleichen. Vorsicht geboten ist auch bei Portalen, die zusammengehören. Bei Portalen ein und derselben Firma sollte man besonders aufpassen. Die Verbraucherzentrale hat hier einige Grafiken erstellt, die die Verbindungen der einzelnen Portale untereinander deutlich macht. Oft wird den Portalen auch unterstellt bestimmte Ergebnisse höher zu ranken, um die für sie höhere Verkaufsprovision zu kassieren.

Der Trick mit den Boni

Manche Stromtarife locken mit besonders günstigen Konditionen im ersten Vertragsjahr. Wer im ersten Jahr vergisst zu wechseln, zahlt im zweiten Jahr deutlich mehr und der vormals günstigste Tarif gehört auf einmal zu den teureren. Viele Anbieter zahlen außerdem bei jedem Wechsel einen Neukundenbonus aus, der im Vergleichsportal allerdings meist direkt mit verrechnet wird. So landet der Anbieter weiter vorne, obwohl der eigentliche Tarif gar nicht unbedingt der günstigste ist.

Check24 vs Marklerverband

Erst im vergangenen Juli musste eines der größten deutschen Vergleichsportale vor Gericht eine Niederlage einräumen. Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute hatte Check24 unlauteren Wettbewerb und Irreführung vorgeworfen. Im Urteil des Landgerichts München verordnete die Richterin das Vergleichsportal zu einer transparenteren Kommunikation des Umstandes, dass Check24 Provisionen für die vermittelten Leistungen erhält.

Also ganz auf Vergleichsportale verzichten?

Vergleichsportale haben ihre Berechtigung. Sie zeigen dem Kunden, welches der aktuell preiswerteste Tarif für ihn ist, wenn auch mit gewissen Tricks. Als Kunde sollte man sich in jedem Fall nicht auf ein Portal verlassen und lieber auch im Konkurrenzportal mal die gleichen Daten eingeben. Schlussendlich bleibt der Preisvergleich allerdings aufwändiger als es auf den ersten Blick scheint. Denn Vergleichsportale sind keine Verbraucherschützer, sie sind Vermittler und kassieren dafür Provisionen.