Sich mit erneuerbaren Energien unabhängig vom Stromversorger machen – dieser Wunsch steht bei vielen Menschen ganz weit oben. Allerdings ist gerade in Deutschland die Eigenheimquote besonders niedrig. Die mit Abstand meisten Menschen leben nicht unter ihrem eigenen Dach, sondern teilen es sich als Mieter mit mehreren Parteien. Eine Solaranlage für den Balkon soll es auch ihnen ermöglichen, an der Energiewende teilzuhaben. Aber was taugen die Lösungen und sind sie überhaupt erlaubt?

Aufbau einer Minisolar-Anlage

Eine Solaranlage besteht aus zwei Komponenten: den Modulen selbst und dem Wechselrichter. Dieser ist notwendig, um den von der Solaranlage erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom umzuwandeln. Nur so kann er von haushaltsüblichen Geräten verbraucht oder ins Stromnetz eingespeist werden. Dies gilt sowohl für Dachanlagen als auch für kleine Systeme für den Balkon oder den Garten. Technisch ist es ohne Weiteres möglich, ein Solarmodul mit einem Wechselrichter zu verbinden und den erzeugten Strom von dort aus mit einem Stecker in die Steckdose und so in das Haushaltsnetz einzuspeisen. Selbst ins öffentliche Stromnetz lässt sich so Strom über die normalen Steckdosen im Haushalt einspeisen. Die Voraussetzung dafür ist, dass der erzeugte Strom nicht innerhalb des Haushalts direkt wieder verbraucht wird. Die Solaranlage muss also mehr Strom produzieren, als im Haushalt verbraucht wird.

Wie ist die rechtliche Lage?

An sich kann man also einfach eine der inzwischen zahlreichen Mini-PV-Anlagen kaufen und sie an eine beliebige Steckdose im Haus anschließen. Allerdings befindet man sich hier in einer rechtlichen Grauzone. Verboten ist der Anschluss einer Balkonanlage nicht, Mieter haften jedoch selbst, sollte es durch die Solaranlage etwa zu einem Brand kommen. Hier springt keine Versicherung ein. Grund ist, dass die VDE-Norm die Einspeisung von Strom in das Hausnetz untersagt. Aktuell wird die entsprechende Norm allerdings überarbeitet. Dabei ist eine Bagatellgrenze vorgesehen, die die Einspeisung durch kleine Solaranlagen bis zu einer bestimmten Leistung erlaubt. Eine solche Regelung gibt es bereits in einigen Nachbarländern wie der Schweiz, Österreich und den Niederlanden. In Deutschland läuft es aktuell wohl auf eine etwas strengere Regelung hinaus:

Zusätzlich zur Bagatellgrenze ist eine Prüfung durch einen Elektriker vorgesehen. Hierbei soll sichergestellt werden, dass der Stromkreis im Haus noch ausreichend Reserven für die Durchleitung von Solarstrom einer Mini-Solaranlage hat. Unter diesen Bedingungen soll es für eine Balkon-Solaranlage grünes Licht geben.

Die Solaranlage für den Balkon als Enabler der Energiewende

Die kleine Solaranlage für den Balkon oder für die Montage am Fenster wäre ein riesiger Schritt in Richtung einer gleichberechtigten Energiewende. Hiermit ließe sich auch ein großer Kritikpunkt an der Ausgestaltung des EEG entkräftigen: dass die Energiewende Menschen bevorzuge, die finanziell besser gestellt sind, weil sie über ein eigenes Dach verfügen und die Mittel für eine Solaranlage haben. Eine Mini-PV-Anlage wäre bereits ab wenigen hundert Euro erhältlich (bei stetig fallenden Preisen) und könnte auch von Mietern installiert werden. Hier wäre nur noch eine letzte Frage zu klären: Braucht man für die Installation einer Solaranlage auf dem Balkon das Einverständnis des Vermieters? Ja, allerdings nur, sofern das Solarmodul von außen sichtbar ist, also etwa an der Fassade angebracht ist. Ähnliches gilt ja bereits für Satellitenschüsseln. Aber lohnen sich die kleinen Solaranlagen für Mieter überhaupt?

Die Wirtschaftlichkeit von Balkonmodulen

Hersteller von Mini-Solaranlagen sprechen von Amortisationszeiten von unter 10 Jahren. In der Realität hängt dies natürlich vor allem vom Standort des Moduls ab. Doch gerade hier liegt die Schwierigkeit mit PV-Anlagen für den Balkon: Während Dachanlagen meist so ausgerichtet werden können, dass sie einen Großteil der Sonneneinstrahlung einfangen, ist selbst ein Südbalkon oft nicht komplett schattenfrei. Bäume oder gegenüberliegende Häuser versperren den Sonnenstrahlen den Weg auf die Solarmodule und mindern die Leistung deutlich. Theoretisch produziert ein Modul mit einer Nennleistung von 200 Wp jährlich zwischen 150 und 200 kWh Strom.

Die Amortisationszeit von Stecker-PV ist auch immer abgängig von dem Strompreis und dessen Entwicklung in der Zukunft. Da es für Balkonmodule keine Einspeisevergütung gibt, entspricht der Wert der produzierten Kilowattstunde dem Preis des Stromanbieters. Sinkt der Strompreis in den nächsten Jahren, ist der Kauf einer Mini-Solaranlage weniger rentabel. Steigt hingegen der Strompreis, rentiert sich die Anschaffung schneller. Aktuell sind Preissteigerungen beim Strom wahrscheinlicher.

Stecker-PV nur für Idealisten?

Theoretisch gibt es ein Potential von rund 40 Millionen Haushalten. Allerdings wird dieses Potential durch viele Einschränkungen geschmälert. Nicht jeder Balkon hat die notwendige Größe oder Ausrichtung, sodass eine Anlage installiert werden kann. Hinzu kommen Vermieter, die Solaranlagen nicht sichtbar an ihrem Haus angebracht haben möchten. Trotzdem erweitert es endlich die Möglichkeiten zur Teilnahme an der Energiewende. Zudem wird man reduziert sich die Abhängigkeit von Stromanbietern, da man weniger Strom beziehen muss. Die Festlegung der rechtlichen Rahmenbedingung und der technische Fortschritt werden wahrscheinlich zu einer Verbesserung und stärkeren Akzeptanz von Balkonmodulen beitragen.