Über 90% aller Deutschen haben schon einmal ein Vergleichsportal genutzt. Als Kunde erwarten wir, dass uns das beste Angebot ganz oben angezeigt wird. Leider ist das nur eine Wunschvorstellung. Warum uns nicht immer der wirklich beste Preis angezeigt wird, hat drei Gründe.

1) Einberechnete Boni

Beim Abschluss eines neuen Stromvertrags können Kunden verschiedene Arten von Bonuszahlungen erhalten. Diese Boni werden bei den meisten Vergleichsportalen automatisch in den Strompreis eingerechnet. So erscheint der Preis günstiger, als er tatsächlich ist. Bei manchen Portalen lässt sich die Einberechnung des Bonus ausschalten. Natürlich sind günstige Stromtarife aber eines der Hauptkriterien für die Nutzung eines Vergleichsportal. Das heißt: Wer die günstigsten Tarife hat, liegt in der Gunst der Kunden vorne. Deshalb ist die Einberechnung des Bonus bei den meisten Vergleichsportalen die Standardeinstellung. Die Folge? Viele Kunden wählen einen Stromtarif, der auf den ersten Blick günstig, auf den zweiten aber eher teuer ist.

 

Sofortbonus

Beim Sofortbonus läuft es ähnlich. Ein Sofortbonus ist eine Art Wechselprämie. Diese wird relativ zeitnah zu Lieferbeginn an den Kunden, spätestens aber nach vier Monaten ab Vertragsbeginn ausgezahlt. Mit der Auszahlung eines Geldbetrags soll der Kunde in einen Vertrag gelockt werden. Und auch dieser Bonus wird mit den Gesamtkosten des Tarifs verrechnet. So wird aus einem Stromtarif mit einem Preis von 27 ct/kWh plötzlich ein Tarif mit günstigen 25 ct/kWh. Ab dem zweiten Jahr wird es allerdings teuer.

Neukundenbonus

Ebenfalls um eine Art Wechselprämie handelt es sich beim Neukundenbonus. Sie erhält der Kunde allerdings oft erst nach der ersten Vertragslaufzeit, die meist 12 Monate dauert. Der Neukundenbonus kann sowohl als Einmalzahlung als auch als prozentualer Nachlass auf die gelieferte Menge gewährt werden. Wichtig für wechselfreudige Stromkunden: Wer jährlich den Anbieter wechselt, sollte sich über mögliche Verflechtungen von Anbietern informieren. Ein Neukundenbonus wird nicht gewährt, wenn man innerhalb eines Unternehmens wechselt – auch wenn der Anbieter einen anderen Namen trägt.

2) Das Geschäft mit der Faulheit

Stromversorgern werben gerne mit einer Preisgarantie. Die in Vergleichsportalen gelisteten Stromtarife haben allerdings meist nur eine Preisgarantie für die Dauer der ersten Vertragslaufzeit von in der Regel 12 Monaten. Danach steigt der Tarif oft steil an und der ehemals günstige Tarif entpuppt sich als teuer. Auch das ist ein Trick, um Kunden in den Vertrag zu locken. Hierfür nehmen die Energieversorger sogar Verluste in Kauf und bieten ihren Strom im ersten Jahr unter Preis an. Den Verlust holen sie sich im zweiten Jahr dann doppelt zurück. Stromversorger wissen nämlich ziemlich gut, dass sich die wenigsten Stromkunden genau mit ihrem Tarif beschäftigen und eher wechselfaul sind.

3) Komplexität

Die Tarifdetails von Stromverträgen sind komplex und ohne Expertenwissen sind die einzelnen Details kaum zu überschauen. Darauf setzen Vergleichsportale und wollen die Komplexität vereinfachen. Trotzdem zeigen sie munter diverse Boni mit Vertragslaufzeiten, Bewertungen und verschiedenen Preisen vermischt an. So fällt es vielen Verbrauchern schwer, einen Vergleich zu ziehen. Die meisten Menschen wissen nicht, welcher Preis für sie entscheidend ist. Es gibt den Grundpreis, den Arbeitspreis und diverse Boni. Verbraucher stoßen da schnell an ihre Grenzen. Welcher Preis ist entscheidend? Da Vergleichsportale keine persönliche Beratung bieten, bleibt es am Kunden, sich für den richtigen Tarif zu entscheiden. Wer sich nur auf die Vergleichsseite verlässt und dort das vermeintlich günstigste Angebot wählt, zahlt am Ende womöglich zu viel.