Zwischen 2006 und 2016 ist der Strompreis von durchschnittlich 18,93 auf 29,80 ct/kWh gestiegen. Preiserhöhungen für Strom sind üblich, hängen entweder mit gestiegenen Beschaffungskosten zusammen oder sind reine Taktik der Stromversorger. Denn viele Stromversorger locken neue Kunden mit einem günstigen ersten Jahr, um den Preis schon im zweiten Jahr zu erhöhen. Verbraucher müssen das nicht hinnehmen – sofern sie mitbekommen, dass der Preis erhöht wird. Wir erklären, wie man Preiserhöhungen des Energieversorgers entdeckt und richtig darauf reagiert.

Bei jeder Preiserhöhung für Strom gilt ein Sonderkündigungsrecht

Was viele Verbraucher nicht wissen: Sobald der Energieversorger den Preis erhöht, greift ein Sonderkündigungsrecht. Der Stromvertrag lässt sich in diesem Fall unabhängig von der eigentlichen Vertragslaufzeit kündigen. Um auf eine Preiserhöhung für Strom reagieren zu können, müssen Kunden zunächst einmal merken, dass eine Erhöhung ansteht. Deshalb sind Energieversorger gesetzlich verpflichtet, dies vorab schriftlich mitzuteilen. Allerdings hat sich bei einigen die Strategie durchgesetzt, Preiserhöhungen so zu verstecken, dass viele Kunden es nicht merken.

Die Verbraucherzentrale sammelt Beispiele für solche versteckten Preiserhöhungen. Eine beliebte Methode ist, den Hinweis auf die Preiserhöhung in einem Werbebrief zu verstecken. Auch in E-Mails kann die Ankündigung einer Tariferhöhung untergebracht sein. Besonders dreist ist diese Methode: Kunden erhalten eine SMS oder eine E-Mail von ihrem Stromanbieter mit dem Hinweis, dass sich in ihrem Kundenportal neue Dokumente befinden. Beim Blick auf die Dokumente zeigt sich, dass es sich hierbei um die Ankündigung einer Preiserhöhung handelt. Der Versorger setzt also darauf, dass die Kunden Besseres zu tun haben, als sich in ihrem Account einzuloggen. Kundn verpassen die Preiserhöhung und müssen die höheren Kosten hinnehmen.

Wieso Preisgarantien für Strom häufig unwirksam sind

Man fragt sich zurecht, wie sich diese Praxis mit den oftmals prominent beworbenen Preisgarantien der Versorger vertragen. Schließlich sollen die Preisgarantien vor Erhöhungen des Arbeitspreises während der Vertragslaufzeit schützen. Hier fehlt es schlicht an Transparenz bei der Kommunikation der Preisgarantie. So beziehen sich die Garantien in der Regel nur auf bestimmte Preisbestandteile. Der Strompreis setzt sich jedoch aus verschiedenen Teilen zusammen. Sicher vor Preiserhöhungen ist man mit Tarifen, die eine Preisgarantie für alle Bestandteile außer der Mehrwertsteuer beinhalten. Die Verbraucherzentrale rät deshalb zu solchen Tarifen, auch wenn andere Angebote im ersten Jahr günstiger sind.

Wie reagiert man richtig auf Preiserhöhungen für Strom?

Laut Verbraucherzentrale können Kunden ihren Stromtarif ohne Rücksicht auf die Vertragslaufzeit kündigen, sollte der Stromanbieter den Preis erhöhen. Wichtig: Kündigen sollte man zum Tag des Inkrafttretens der Preiserhöhung. Eine spätere Kündigung ist wirkungslos. Der Wechsel zu einem neuen Anbieter vollzieht sich in aller Regel reibungslos. Eine Unterbrechung der Versorgung droht nicht, da nötigenfalls der Grundversorger einspringt. So sind Stromkunden immer auf der sicheren Seite und sparen jedes Jahr bares Geld. Hier noch einmal alle Tipps im Überblick:

 

  • Alle Schreiben des Stromversorgers aufmerksam lesen – auch wenn es sich scheinbar um Werbung handelt
  • Auch E-Mails immer lesen
  • Manche Stromanbieter verstecken Preiserhöhungen im Kundenportal. Wenn neue Dokumente angekündigt werden: Immer nachsehen!
  • Rechtzeitig, zum Tag des Inkrafttretens der Preiserhöhung schriftlich kündigen