Es gibt Strom für Studenten, Strom für große Familien, für Singles, Ökostrom und Grundversorgungstarife. Das Angebot ist groß und unübersichtlich. Insgesamt stehen Verbrauchern heute weit über 1.000 verschiedene Tarife zur Auswahl. Wie soll man da einen Stromtarif finden, der wirklich zu einem passt? Wir zeigen, worauf ihr achten solltet, um den für euch perfekten Stromtarif zu finden.

Dein Verbrauch: Je mehr, desto günstiger?

Um den perfekten Stromtarif zu finden, ist vor allem ein Blick auf den Jahresverbrauch wichtig. Manche Single-Haushalte verbrauchen weniger als 1.000 kWh pro Jahr, während andere problemlos über 3.000 kWh kommen. Typische Stromfresser in Single-Haushalten sind Heimkinoanlagen oder leistungsstarke Computer. Große Familien haben schon einmal einen Verbrauch von über 7.000 kWh im Jahr und zahlen damit locker über eintausend Euro jährlich allein für Strom.

Nun könnte man meinen, am Strommarkt gelte die klassische Regel, je größer die Abnahmemenge, desto niedriger der Preis pro Einheit. Das ist leider nicht so. Der Strompreis setzt sich aus einer fixen Grundgebühr und dem Arbeitspreis zusammen. Im Prinzip ist die Grundgebühr ein Weg für Stromanbieter, auch mit solchen Verbrauchern Geld zu verdienen, die besonders sparsam sind. Für alle, die wenig Strom verbrauchen, gilt daher: Je niedriger die Grundgebühr, desto besser. Anders sieht es bei Haushalten aus, die einen hohen Jahresverbrauch haben. Hier kann es sich lohnen, zugunsten eines niedrigen Arbeitspreises eine hohe Grundgebühr in Kauf zu nehmen. Eine Regel lässt sich allerdings nicht aufstellen. Nicht jeder Tarif mit hoher Grundgebühr hat auch einen niedrigen Preis pro kWh. Das macht es für uns besonders kompliziert, den optimalen Stromtarif zu finden.

Das Vergleichsportal Verivox hat vor einigen Jahren in einer Untersuchung herausgefunden, dass sich Stromsparen finanziell gar nicht lohnt. Im Gegenteil: Wer besonders viel Strom verbraucht, senkt den Anteil der Grundgebühr an jeder verbrauchten Kilowattstunde und zahlt so effektiv weniger für Strom. Schon vor sechs Jahren zahlten Verbraucher bei 1.000 kWh Jahresverbrauch über 30 Cent pro Kilowattstunde. Das Problem ist auch hier wieder die Transparenz: Es gibt für Verbraucher keinen Weg, Stromtarife verbrauchsunabhängig miteinander zu vergleichen. Die bekannten Vergleichsportale arbeiten alle verbrauchsabhängig und sortieren ihre Ergebnisse nicht nach Höhe der Grundgebühr, sondern nach Gesamtpreis. HIer sind standardmäßig oft auch Boni und Wechselprämien berücksichtigt, die den Gesamtpreis weiter verwässern. Aktuell bleibt uns da nur, die Konditionen der verschiedenen Tarife genau anzusehen und „händisch“ zu vergleichen. Auch ein Vergleich zwischen Vergleichsportalen ist wichtig.

Ökostrom oder Regelstrom?

Neben Quantität zählt auch die Qualität: Regelstrom oder Ökostrom? Auch hier zahlen sich ein zweiter oder dritter Blick aus. Denn nicht alles, was als Ökostrom gekennzeichnet ist, ist auch wirklich Ökostrom. Zum Verständnis reicht eine simple physikalische Feststellung: Egal, von wem ihr euren Strom bezieht, er kommt immer aus dem „großen See“ des Strommixes. Physikalisch geht der Strom dabei den kürzesten Weg. Wenn ihr neben einem Atomkraftwerk wohnt, aber Strom von einem Ökoanbieter bezieht, dann kommt eure Energie trotzdem aus Atomstrom. Dafür bekommt ihr von eurem Anbieter die Garantie, dass eure Abnahmemenge irgendwo zusätzlich bereitgestellt wird. Stromanbieter gewährleisten dies entweder, indem sie zusätzlichen Ökostrom produzieren und ihn ins Netz einspeisen, oder bei einem Produzenten einkaufen. Dies muss allerdings nicht in Deutschland sein. Durch den Zertifikatehandel lässt sich normaler Strom quasi umetikettieren. Ein Anbieter kann euch auf diese Weise normalen Strom anbieten und lässt dafür im Ausland Ökostrom ins Netz einspeisen.

Wer wirklich Wert auf Nachhaltigkeit legt, wählt einen Tarif mit Ökostrom-Label. Leider ist auch hier die Auswahl groß und entsprechend unübersichtlich. In jedem Fall aber müssen Stromanbieter, um eines der begehrten Label zu erhalten, bestimmte Bedingungen erfüllen. Fast alle Siegel verlangen, dass ein Teil der Erlöse entweder in den Neubau von Anlagen zur Produktion von erneuerbarer Energie oder in Umweltfonds investiert werden. Das soll den Anteil erneuerbarer Energien am Strommix in Deutschland weiter erhöhen. Gute Labels sind zum Beispiel „ok-Power“ oder „Grüner Strom“. Wer Wert auf wirklich grüne Energie liegt, ist mit solchen Tarifen am besten bedient. Und das Beste: Ökostrom ist gar nicht wirklich teurer als Regelstrom.

 

 

Prämien und Boni oder lieber nicht?

Stromanbieter locken Neukunden mit teils hohen Prämien. „Sofortbonus“, „Neukundenbonus“ oder „Wechselprämie“ sind einige Schlagworte, die euch in einen Tarif locken sollen. An sich spricht nichts dagegen, sich den Bonus zu sichern. Allerdings solltet ihr euren Anbieter regelmäßig wechseln. Denn was den Anbietern im ersten Jahr an Einnahmen durch großzügige Boni verlorengeht, holen sie sich oft im zweiten Jahr mit Preiserhöhungen doppelt zurück. Dies führt dazu, dass das erste Vertragsjahr in der Regel das günstigste ist. Verbraucher sollten deshalb versuchen, möglichst immer im ersten günstigen Jahr zu bleiben. Das heißt: Regelmäßig in einen neuen Tarif wechseln.

Dein perfekter Tarif

Die Liberalisierung des Strommarkts hat uns eine Vielzahl unterschiedlicher Tarife beschert, dafür haben Verbraucher es zunehmend schwer, den Überblick zu behalten. Helfen können Vergleichsportale und ein waches Auge auf die Konditionen. Wichtig sind drei Dinge:

 

  • Der Jahresverbrauch
  • Der (mögliche) Wunsch nach Ökostrom
  • Boni, Wechselprämien und regelmäßige Anbieterwechsel