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Wie viel Energie braucht eigentlich der Weihnachtsmann, um alle Geschenke an die 40 Millionen Haushalte in Deutschland auszuliefern? Das haben wir uns gefragt und einmal nachgerechnet. Dabei geholfen hat uns der aktuelle Paketboom in Deutschland.

Für Schnee und Eis ist das Ren das perfekte Zugtier

Der Weihnachtsmann kommt mit Rentieren, nicht mit Pferden. Das hat gute Gründe, denn das Ren ist dem Pferd in einigen Belangen überlegen. Ihre Hufe lassen sich breit spreizen, sodass die Tiere auch im Schnee und im matschigen oder steinigen Terrain ausreichend Halt haben. Sie sind ausdauernd, kommen mit tiefsten Temperaturen klar und können sogar ihr Sehvermögen an die verschiedenen Jahreszeiten und Lichtverhältnisse anpassen. Allerdings: Für eine Pferdestärke brauchen wir schon sechs bis sieben Rentiere. Ein Ren hat ungefähr 0,15 PS. Was, wenn der Weihnachtsmann allein mit Rentieren wirklich 40 Millionen Haushalte in der Weihnachtszeit beliefern müsste?

Um einen Elektro-Lieferwagen zu ersetzen, bräuchte der Weihnachtsmann 270 Rentiere

In den Wochen vor Weihnachten liefert die Deutsche Post rund 8 Millionen Pakete aus – und das täglich! In diesem Jahr rechnet sie mit bis zu 8,7 Millionen Paketen am Tag. Im restlichen Jahr sind es etwa die Hälfte, genauer gesagt etwa 4,3 Millionen täglich. Die Paketbranche boomt und könnte in der Weihnachtszeit wirklich ein wenig Hilfe vom Weihnachtsmann brauchen.

In diesem Jahr sorgte DHL mit dem StreetScooter für Aufsehen: Weil die alteingesessenen Auto- und Nutzfahrzeughersteller keine passenden Elektro-Lieferwagen bauen, nahm DHL die Sache einfach selbst in die Hand und entwarf einen eigenen Wagen, den StreetScooter. In den kommenden Jahren sollen noch weitere Versionen des Elektro-Lieferwagens auf den Markt kommen und auch anderen Dienstleistern zum Kauf zur Verfügung stehen.

Der StreetScooter hat 41 PS und kommt mit einer Akkuladung rund 80 Kilometer weit. Dabei kann er 650 kg Ladung mitnehmen. Aber wie viele Pakete sind das?

In den StreetScooter passen bis zu 80 Pakete, ganz unabhängig vom Gewicht. Wenn der Weihnachtsmann ähnlich effizient Geschenke austeilen möchte wie die Paketboten mit dem StreetScooter, dann bräuchte ein Schlitten rund 270 Rentiere, um die Leistung des StreetScooters zu erreichen – ein ganz schön langes Gespann. Zu schaffen wäre das nur mit Superkräften. Weil der Weihnachtsmann diese nicht hat, helfen die Paketdienste aus. Aber wie viel Energie verbrauchen die Paketboten von DHL eigentlich in der Weihnachtszeit? Wie viele Akkuladungen brauchen sie, um die rund 8 Millionen Lieferungen täglich mit dem StreetScooter zu bewältigen und wie viel Energie verbrauchen sie dabei?

Ein Hoch auf die Technik

Die Batterie im StreetScooter hat eine Kapazität von 20,6 kWh. Ist die Batterie einmal aufgeladen, können die Paketboten damit 80 km weit fahren und dabei bis zu 80 Pakete laden. In der Regel fahren sie einmal am Tag zurück ins Depot, holen weitere Pakete ab und verteilen diese dann an die Kunden. Je nach Dichte des Zustellgebiets, Stadt oder Land, fahren die Boten mit ihren Elektroautos dabei 20 – 150 km am Tag. Damit die Paketboten ihre Batterie nicht mitten am Tag wieder aufladen müssen, wird der StreetScooter meist nur in der Stadt eingesetzt, wo die Strecken nicht so lang sind.

Angenommen, die Post schafft es, ihre gesamte Flotte auf den StreetScooter mit Elektroantrieb umzustellen. Dann braucht sie dafür eine Flotte von rund 54.375 Fahrzeugen, um täglich 8,7 Millionen Pakete auszuliefern. Wenn wir jeden StreetScooter mit einem Rentiergespann ersetzen wollen, bräuchten wir also 54.375 Weihnachtsmänner. Und der bräuchte, um die Leistung in PS eines StreetScooter zu erreichen, 270 Rentiere je Schlitten – das wären 14681250 Rentiere!

Natürlich ist das utopisch. Das zeigt aber auch, was wir an Technologie und effizienter Logistik haben. Denn zwar wurden Post und andere Sendungen in Deutschland in der Regel mit Pferden ausgeliefert, aber auch ein Pferdegspann, das es mit dem StreetScooter aufnehmen will, bräuchte 41 Pferde. Und mit der Technologie ist es noch nicht zu Ende. Der StreetScooter der Deutschen Post wird nun auch in einer großen Version ausgeliefert. Und viele andere Unternehmen arbeiten schon an der nächsten Revolution: der automatischen Zustellung mit autonomen Fahrzeugen oder gar mit Drohnen. In diesem Sinne: Ein Hoch auf die Technik und schöne Weihnachten Euch allen!